2013 – nur platte Wahlplakate ?

Am 22. September ist Bundestagswahl. Doch wen wählen? Derzeit werben die Parteien um die Stimmen der Wähler – mit aussagekräftigen, überzeugenden Wahlplakaten…NICHT. Erwarten würde man es, aber aus unerfindlichen Gründen überbieten sich die Parteien mit ihren Plakaten dieses Jahr an Profanität.

Da wäre zum Einen die CDU, die mit beliebig austauschbaren Zweizeiler-Plattitüden um sich wirft álla „Solide Finanzen sind wichtig. Weil wir an morgen denken.“ (gekonnt auf’s Korn genommen im Titanic Wahlplakat-Generator). Auch die Motive sind durchdacht. Persönlich überzeugt hat mich der Pfannkuchen-werfende Schönling. Wer könnte sich nicht mit ihm identifizieren? Pfannkuchen mag schließlich jeder – Und deshalb wähle ich CDU.

Für die SPD entscheidet immerhin das „Wir“, wenngleich man sich auf den ersten Blick nicht sicher ist, ob damit nun „Wir“ von der SPD gemeint sind, oder ob es doch „Wir“ Politiker sind, die am Ende entscheiden. Peer Steinbrück versucht in dieser offenen Frage dann nochmal großflächig nachzubessern, indem er mit (nacktem) Finger auf uns zeigt: „Sie haben es in der Hand“„Sie“? Also doch nicht „Wir“? Wer sind „Sie“ überhaupt, die gelben Engel? Und wer ist eigentlich dieser Steinbrück? Zugegebenermaßen gibt es bei genauerem Hinsehen doch noch SPD-Plakate, die etwas konkreter werden: „Wir für ein Alter ohne Armut“ oder „Wir für bezahlbare Mieten“. (Bei der Größe des Fonts musste das Verb anscheinend mangels Platz gestrichen werden. Vielleicht wird hier aber auch gekonnt die Generation SMS angesprochen!) Dann ist aber auch schon wieder Schluss mit der Konkretheit, keine Zeile darüber, auf welchem Wege die angepriesenen Utopien erreicht werden sollen.

Aggressiver geht es die Linke an. Die kritisiert was das Zeug hält, fordert zum „Kampf“ und gar zur „Revolution“! Genau wie die SPD fordert sie beispielsweise „bezahlbare Mieten“, aber genau wie die SPD lässt sie Konkretheit vermissen. Hm, aus dem Geschichtsunterricht hatte ich so „Revolutionen“ auch noch irgendwie radikaler in Erinnerung… naja. Die durchwegs destruktiv gehaltene Kampagne scheint mir sowieso weniger darauf abzuzielen, dem Wähler echte Alternativen zu bieten, als eher den sogenannten Frust-Wähler, der sich dann doch noch aufgerafft hat überhaupt wählen zu gehen, zur Stammtischrunde der lokalen Linken einzuladen. Schade. Zumindest werden übersichtlich alle Direktkandidaten vorgestellt, mitsamt ihrer packenden Werbeslogans, wie „Der Osten braucht starke Stimmen“ oder „Wohlstand für alle“.

Liebe Grünen, habt ihr wenigstens etwas brauchbares? „Für Mut gegen Armut“, wow – you got me! … NOT. Auch die Grünen fordern „faire Mieten“, scheinbar ein entscheidendes Thema in diesem Wahlkampf. Aber wieder nichts Konkretes, genauso fad wie alle anderen. Wie schade. Aber immerhin ein Lichtblick: „Was der Bauer nicht kennt, fress ich nicht“. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und interpretiere, man darf eine Ablehnung der Grünen zur Gentechnik in der Landwirtschaft herauslesen. Das ist doch schon mal was! Und kreativ umgesetzt ist es auch! Leider bleibt es bei diesem einen Lichtblick, ansonsten sind auch die Plakate der Grünen leider recht einfach.

Zu guter Letzt noch ein Blick auf die Piraten: Vater Vater Kind. Wir setzen uns für die gleichwertige Anerkennung aller Lebensmodelle ein, in denen Menschen füreinander Verantwortung übernehmen.“ Oha! Das kann ich im Vorbeiradeln ja gar nicht alles lesen. Ist es überhaupt verkehrssicher, so viel zu schreiben? Stell dir vor, du wirst gefragt. Für mehr Mitbestimmung und Teilhabe der Bürger an politischen Entscheidungen.“ Langsam! Auf so viel Festnagelbarkeit bin ich nicht vorbereitet! Warum will der Staat wissen, dass ich nichts zu verbergen habe. Für die Wahrung von Privatsphäre und Unschuldsvermutung.“ Kaum zu glauben. Es gibt tatsächlich Wahlplakate mit gewisser Aussagekraft. Das hätte an dieser Stelle ja gar keiner mehr erwartet! Ganz besonders freue ich mich ja schon auf den Wombat in meinem Haushalt!

Wie es scheint, hat es die Piratenpartei dieses Jahr in puncto Wahlplakate auch mangels ernstzunehmender Gegenentwürfe mühelos geschafft, die großen Parteien auszustechen. Bleibt abzuwarten, ob sich das in die Wahlplakate investierte Mehr an Mühe auch in den Wahlergebnissen niederschlagen wird.

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